In der zweiteiligen Serie «Money Makeover» beleuchten wir die sich verändernde Rolle des Geldes und gehen der Frage nach, wie Kryptowährungen in die neue Finanzwelt passen.

 

Was ist Geld?

Für die meisten Menschen ist Geld etwas, das sie zum Kauf von Waren und Dienstleistungen verwenden. Sie sind darauf angewiesen und nutzen es jeden Tag.

Geld verändert sich sehr selten.

Manchmal aber doch. Europäer in ihren Dreißigern oder Vierzigern können sich noch lebhaft an den Tag erinnern, als vor fast 20 Jahren die Banknoten des Euro eingeführt wurden.

Für sie war die Einführung des Euro eine Art Revolution. Es bedeutete den Abschied vom französischen Franc, dem österreichischen Schilling und der deutschen Mark, um nur einige der wichtigsten Währungen zu nennen, an die die Europäer gewöhnt waren. Der Euro war nicht nur eine neue Art von Geld, er beeinflusste auch die Art und Weise, wie Waren und Dienstleistungen bepreist und wie ihr Wert wahrgenommen wurden.

Während diese Revolution des Geldes eine Herausforderung für die Denkweise vieler Menschen darstellte, brachte sie auch eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich, darunter ein einheitliches Währungsgebiet in Europa, die den Menschen einen unkomplizierteren Handel und einen Geschäftsverkehr ohne Grenzen ermöglicht.
Heute zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab – und ähnliche (und noch größere) Vorteile sind dank Kryptowährungen am Horizont zu erkennen.

Aber auch Geld wird gerade wieder– dank Covid-19 – neu ausgerichet ebenso wie Kryptowährungen.

 

Der eingeschlagene Weg

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Covid-19-Pandemie die Beliebtheit bargeldloser und kontaktloser Zahlungen erhöht hat. Und das ist nur dank der Technologie möglich.

Neue und nicht mehr ganz so neue Technologien sind während der Pandemie aufgeblüht und haben gleichzeitig die Bequemlichkeit und Nutzbarkeit von Geld für Zahlungen erhöht.

Mit dem Aufkommen von Karten-, mobilen und biometrischen Zahlungsmöglichkeiten ist ein vollständiger Technologie-Stack entstanden, auf den unabhängig von traditionellen Zahlungsnetzen zugegriffen werden kann. Somit hat die Einführung von Kryptowährungen als neue Zahlungsoption das Potenzial, einen deutlich schnelleren Wachstumszyklus im Vergleich zu den Übergängen von z. B. Bar- zu Kartenzahlungen oder dem aktuell laufenden Karten- zu Mobile-Payment-Zyklus zu erleben.

Diese Eigenschaften machen es möglich, Krypto-Zahlungslösungen für stabile, weltweit akzeptierte Währungen zu entwickeln, die über Zeit und Raum hinweg als Tauschmittel fungieren. Aus heutiger Sicht ist das vielleicht noch etwas schwer vorstellbar. Andererseits war es zu einer bestimmten Zeit auch schwer vorstellbar, eine allgemein akzeptierte Währung für 27 verschiedene Länder in Europa zu haben.

 

Saat der Veränderung

Neben technologischen Innovationen im Zahlungsverkehr hat die Covid-19-Pandemie den Nationalstaaten und Zentralbanken weltweit einen Paradigmenwechsel aufgezwungen. Geldversorgung, Staatsverschuldung und Defizite sind in einem noch nie dagewesenen Tempo gestiegen, um die Wirtschaft zu stabilisieren und Konjunkturprogramme zu finanzieren. Die Entscheidung zur quantitativen Lockerung hat Inflationsängste wiederbelebt und den Argumenten der Österreichischen Schule der Nationalökonomie Nachdruck verliehen.

Einer ihrer Befürworter, der britisch-österreichische Ökonom Friedrich Hayek, prognostizierte eine Zeit, in der es einen Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Währungen geben würde. Auch dieses Konzept mag auf der Grundlage der Vorstellung von Geld, wie die meisten von uns es heute kennen, seltsam erscheinen, aber es wird weniger seltsam, wenn man es in einem historischen Kontext betrachtet.

Seitdem der Goldstandard von Ländern auf der ganzen Welt zwischen 1931 und 1976 aufgegeben wurde, basieren die Geldsysteme auf Fiatgeld, das von Zentralbanken verwaltet wird. Wer argumentieret, Bitcoin habe keinen intrinsischen Wert, für den lohnt es sich, sich daran zu erinnern, was «Fiatgeld» eigentlich bedeutet.

Der Begriff «Fiatgeld» stammt vom lateinischen Wort «Fiat» (= Dekret) ab. Gemäss der gängigen Definition (und im Einklang mit der Währungsökonomie) ist Fiatgeld ein immateriell wertloses Objekt oder ein Datensatz, das als Zahlungsmittel weithin akzeptiert wird. Mit anderen Worten: Bitcoin und Fiat-Währungen wie der EUR und der USD sind sich in ihrer Natur sehr ähnlich, so dass ihr Wert auf der Wahrnehmung basiert, mit einem grossen Unterschied: Bitcoin hat festenein festgelegtes Volumen (Anzahl), während EUR und der USD jederzeit «gedruckt» werden können.

Die Auswirkungen dieses unbegrenzten Angebots an Fiatgeld, in diesem Fall USD, sind dramatisch:
Die Kaufkraft des US-Dollars ist im letzten Jahrhundert gegenüber 1913 um 96.13% gesunken: USD 100 aus dem Jahr 1913 waren 2019 nur noch USD 3.87 wert:

Die Kaufkraft des US-Dollars ist im letzten Jahrhundert gegenüber 1913 um 96,13% gesunken
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Quelle: HowMuch.net

Was ist das Resultat? Das Vertrauen in die Zentralbanken bei der Steuerung der Preisstabilität erodiert kontinuierlich.

Infolgedessen haben private Initiativen begonnen, Wege zu erforschen, um Währungen zu schaffen, die unabhängig vom Einfluss der Zentralbanken, zudem fest in der Stückzahlm und unkorrumpierbar sind. Das prominenteste Beispiel ist Bitcoin, das am 3. Januar 2009 als Reaktion auf die globale Finanzkrise und die darauffolgenden Rettungsprogramme für Banken ins Leben gerufen wurde.

Bitcoin und andere ähnliche Kryptowährungen sind weder an eine einzige nationale Behörde gebunden noch werden sie von einer einzigen Personengruppe kontrolliert. Und doch werden sie von Menschen auf der ganzen Welt geschätzt und (in zunehmendem Masse) zum Bezahlen von Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs verwendet.

Genau wie der Euro…

Im zweiten Teil dieser Serie schauen wir uns an, wie Kryptowährungen beginnen, eine neue Rolle für den weltweiten Zahlungsverkehr zu erfüllen.

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