Viele Krypto-User sehen Proof of Stake als Quelle für «passive Einkünfte», doch diese Sicht hat nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun. In diesem Artikel wird erläutert, was von einem Validator erwartet wird und wofür er vergütet und bestraft werden kann.

 

Was braucht man für das Staking?

In erster Linie braucht jeder Validator im Netzwerk genau 32 Beacon-Ether (ETH2), um Transaktionen auf der neuen Ethereum-Blockchain zu validieren – nicht mehr und nicht weniger. Die 32 ETH2 sind der Stake (Einsatz) des Validators, daher der Begriff: Proof of Stake. Wer mehr als 32 ETH2 staken will, muss zusätzliche Validatoren einrichten.

Die Validator-Software (ein Ethereum Light Client) kann auf einem normalen handelsüblichen Laptop betrieben werden. Damit soll bewusst sichergestellt werden, dass sich Privatpersonen mit 32 ETH an der Sicherung der Blockchain beteiligen können – was die Dezentralisierung der Blockchain stärkt.

Schwieriger für einen Validator ist es womöglich, sich das technologische Know-how anzueignen, um alles richtig und sicher einzurichten. Validatoren müssen sicherstellen, dass ihr Geld vor Cyberangriffen geschützt ist, dass ihr Laptop möglichst hohe Betriebszeiten aufweist und dass die Software immer auf dem neusten Stand ist und bei ungültigen Transaktionen nicht abstürzt oder anderweitig Fehler einführt.

 

Welche Faktoren müssen bei der finanziellen Kalkulation des Businessplans berücksichtigt werden?

Auf einigen Websites wird zwar angegeben, wie viel man als Validator verdienen kann, diese Zahlen sind jedoch sehr allgemein und beruhen auf verschiedenen Annahmen. Es gibt mehrere interne und externe Faktoren, die sich auf die Kalkulation von Validatoren auswirken:

– Gesamtzahl aller Validatoren
– Strafen und Slashing
– durchschnittliche Betriebszeit der anderen Validatoren
– eigene durchschnittliche Betriebszeit (auch wer man mehrere Validatoren betreibt)
– Anzahl der Transaktionen mit Zusatzgebühren (nach Umsetzung von EIP-1559 und Sharding)
– Einrichtungs- und Betriebskosten für die Hardware
– Kosten für Hosting und Zuverlässigkeit
– Aufwand für Softwareaktualisierung und Wartung der Infrastruktur

 

Wie hoch sind die Prämien für die Validierung?

Von all diesen Faktoren ist wohl die Gesamtzahl aller Validatoren der wichtigste Faktor in der Rechnung dafür, wie viel an Prämien durch das Validieren von Transaktionen verdient werden kann.

Durch jeden Validator, der neu zur Blockchain hinzukommt, sinkt der Betrag der an die Validatoren ausgeschütteten neuen ETH2. Dies ist nicht weiter überraschend, da das gleiche für die meisten Blockchains mit PoS-Konsensmechanismus gilt. Anders ist lediglich, dass sich auch die Gesamtzahl der neu emittierten ETH2 ändert: Sie steigt mit der Anzahl der Validatoren. Dadurch sinkt die Gewinnkurve mit steigendem Einsatz (Abbildung 1).

Für die Lancierung der Beacon Chain braucht es aktuell mindestens 16’384 Validatoren (diese Zahl kann sich natürlich ändern). Wenn also theoretisch gerade genügend Validatoren ihre ETH in den Einlagenvertrag der aktuellen Ethereum-Chain einzahlen, dann könnte die Beacon Chain mit nur einer halben Million ETH2 starten, sodass frühe Validatoren Bruttorenditen von über 20% erzielen würden. Im anderen Extrem könnte die Bruttorendite bei einem Verhältnis von Einsatz zu Umlaufmenge von nur 10% weniger als 6% ergeben.

Abbildung 1 – Staking Rewards auf Ethereum 2

 

Können Validatoren ihren Einsatz verlieren?

Die kurze Antwort lautet: ja.

Es wird erwartet, dass Validatoren ehrlich agieren, dass sie also nicht versuchen, das Netzwerk anzugreifen, und dass sie praktisch immer online sind. Validatoren können ihren Einsatz (oder einen Teil davon) auf verschiedenen Wegen verlieren:

• Offline (Szenario 1): Offline zu sein, während ein Grossteil (2/3) der Validatoren noch online ist (was bedeutet, dass die Chain noch finalisiert wird), hat eine kleine Strafe zur Folge. Insgesamt geht man davon aus, dass Validatoren einen Nettogewinn an ETH2 erzielen, solange ihre Gesamtbetriebszeit über ca. 50-67% liegt.

• Offline (Szenario 2): Gleichzeitig mit über 1/3 aller Validatoren offline zu sein, führt zu härteren Strafen, die Inactivity Leak genannt werden, da die Blöcke nicht mehr finalisiert werden. Im aktuellen Modell können Validatoren nach 21 Tagen bis zu 50% (16 ETH2) ihrer Einlage verlieren. Dadurch wird sichergestellt, dass die Blöcke irgendwann wieder finalisiert werden, da inaktive Validatoren aus dem Netzwerk genommen werden, sobald ihr Saldo unter 16 ETH2 fällt.

• Betrügerisches Verhalten: Betrügerisches Verhalten – zum Beispiel das Abzeichnen ungültiger Transaktionen – führt zu einem Verlust des Einsatzes (Slashing). Die Mindestmenge, die geslasht werden kann, ist 1 ETH2, aber diese Zahl steigt, wenn gleichzeitig andere Validatoren geslasht werden. Damit sollen «ehrliche Fehler» weniger geahndet, koordinierte Angriffe aber stark benachteiligt werden.

 

Ist es eine gute Idee, Validator zu werden?

Diese Frage ist schwieriger zu beantworten.

Einerseits unterstützt ein Validator nicht nur das Netzwerk, sondern er bietet den ETH-Inhabern auch die Möglichkeit, mit ihren Beständen zusätzliche Renditen zu erzielen. Andererseits sollten nach dem Aufkommen von DeFi-Plattformen wie Dharma, Compound und Maker auch die Opportunitätskosten für das Staking berücksichtigt werden, da das Staking Liquidität binden kann, die dann anderweitig nicht verfügbar ist. Mit dem aktuellen Design könnte das Staking für langfristige ETH-Halter besonders attraktiv sein, die sonst ihre ETH einfach im Cold Storage lassen würden.

Darüber hinaus setzen Validatoren seit der Einführung von Ethereum 2 und seiner One-Way-Bridge eigentlich nicht ETH, sondern ETH2, die nur auf der Ethereum-2-Blockchain verfügbar sind. Das bedeutet, dass die Entscheidung, ETH2 zu staken, auch mit einem Engagement in einem neuen Kryptoasset verbunden ist. Obwohl in Zukunft jeder existierende ETH auf die neue Ethereum-2-Chain migriert wird, sind ETH und ETH2 zunächst die nativen Token zweier völlig unterschiedlicher Blockchains. Die Marktpreise für ETH und ETH2 sind möglicherweise nicht identisch, und ETH2 werden anfangs nicht übertragbar sein.

Schliesslich muss jeder ETH-Inhaber unter Berücksichtigung aller Unbekannten und Risiken entscheiden, ob und wann er auf ETH2 umstellt.

  1. Homepage
  2. Research
  3. Ethereum 2 – Validator ...