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Im Gespräch mit Ian Simpson

Peter Camenzind ist seit kurzem Chief Operating Officer (COO) bei Bitcoin Suisse. Zuvor war er über 20 Jahre bei Bank Vontobel tätig, wo er unter anderem als Head of Transaction Banking, Head of FP Structured Investments und zuletzt als Head of P&S Banks Switzerland arbeitete. Er studierte an der Universität Bern und hält einen MBA der University of Rochester – Simon Business School.

 

1. Wann haben Sie das erste Mal von Bitcoin oder von Kryptowährungen gehört und was haben Sie damals gedacht?

Danke Ian, was für eine schwierige Frage gleich zu Beginn! Aber ich erinnere mich genau – es war im frühen Frühjahr 2013 an einem Workshop des Swiss Finance Institute. Der Preis von Bitcoin lag irgendwo um die USD 100. Die Frage schmerzt auch deswegen etwas, weil ich mich damals nicht tief genug mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Der Referent war nicht sehr kompetent, und ich dachte mir: Okay, sie hatten ihren Hype von 2011 bis 2013 mit einem hundertfachen Preisanstieg. Ich habe leider erst viel später investiert und bin mir dieser Fehleinschätzung damals bitter bewusst geworden.

2. Wir sprechen oft darüber, dass Kryptowährungen an der Schnittstelle zwischen Technologie und Finanzen angesiedelt sind – Ihr Hintergrund waren eher Finanzen und Banken, aber auch Technologie? Was halten Sie von diesem Paradigmenwechsel?

Obwohl ich mein ganzes Berufsleben lang bei Banken gearbeitet habe, ist Ihre Annahme bezüglich meines Hintergrunds wahrscheinlich falsch. In den letzten 15 Jahren bei Vontobel war der Mix etwa 90% Technologie und 10% Banking und Finance. Das Transaction Banking, den Bereich, den ich bei Vontobel aufgebaut habe, ist ein margenschwaches Geschäft. Man kann damit gutes Geld verdienen, aber nur mit einee hoch skalierbaren Plattform. Unser USP war eine hocheffiziente Technologie mit intelligentem Order-Routing in Verbindung mit Algo-Trading-Strategien, die in der Schweiz bis heute führend sind. Technologie ist spannend. Banking ist langweilig. Und ich ziehe es vor, meine begrenzte Zeit den spannenden Dingen des Lebens zu widmen.

3. Was denken Sie über die Position der Schweiz in der sich verändernden Finanz- und Technologiewelt? Kann dieses Crypto-Valley-Ökosystem eine weltweite Führungsrolle einnehmen? Wie können wir das erreichen?

Die Politik muss entsprechende Bedingungen ermöglichen und sicherstellen, dass diese die Schweiz nicht nur attraktiv, sondern auch wettbewerbsfähig machen. Der Kanton Zug ist sicher ein Vorreiter, aber die Schweiz selbst hat noch Nachholbedarf. Andererseits haben wir in anderen Bereichen gelernt, dass wir die Politik nicht für ihre Langsamkeit verantwortlich machen, sondern in die Innovation führen sollten. Wir sind das Ökosystem des Crypto Valley! Und Bitcoin Suisse ist die führende Organisation in diesem Ökosystem. Es ist klar, dass wir an der Effizienz arbeiten und die administrativen Funktionen optimieren müssen. Aber am wichtigsten ist, dass wir als Organisation nie unseren Innovationsdrang verlieren dürfen. Wir müssen alles tun, um weiterhin die Schnellsten und Besten auf dem Markt zu sein. Ich werde meinen Teil dazu beitragen.

4. Was reizt Sie daran, bei Bitcoin Suisse zu arbeiten?

Am meisten freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit den Menschen bei Bitcoin Suisse. Es sind die Mitarbeitenden, die dieses Unternehmen zum führenden Anbieter von Krypto-Finanzdienstleistungen gemacht haben.  Einen Vorgeschmack darauf habe ich in Davos [am Firmenevent von Bitcoin Suisse] bekommen. Ich wurde so enthusiastisch und offen empfangen, und die Leute sprühen vor Ideen und Tatendrang. Ihr Engagement für Bitcoin Suisse ist faszinierend und ich kann es kaum erwarten, ein Teil davon zu sein.

5. Was ist die wichtigste Lektion, die Sie in Ihrer bisherigen Karriere gelernt haben?

Eigenverantwortung und Mitbestimmung! Ich weiss, das klingt ein bisschen nach dem üblichen Gerede. Aber es ist wichtig, eine Kultur zu fördern, in der die Menschen Eigenverantwortung übernehmen, und ich sehe einen grossen Teil meiner Aufgabe darin, die Menschen dazu zu befähigen, genau das zu tun. Kontrollwahn und Mikromanagement gehören meiner Meinung nach der Vergangenheit an – zu Recht.

6. Wie schaffen Sie es, ein Gleichgewicht zwischen Ihrer Führungsrolle und dem Lernen zu finden (über neue Technologien, neue Branchen und neue Unternehmen)?

Gute Führungskräfte müssen ständig lernen. Das eine kann man nicht ohne das andere haben. Es gibt Bereiche, in denen ich mein Fachwissen und meine Erfahrung gerne mit meinem Team und anderen teile, z. B. bei der Schaffung eines Umfelds, das zu Höchstleistungen anregt, bei Technologie, strukturierten Prozessen und Geschäftsstrategien. Ich glaube, dass ich diese Dinge täglich einbringen kann. Aber die Zahl der Bereiche, in denen ich von anderen Menschen lernen kann, ist unendlich viel grösser. Ich kann nicht versprechen, dass ich einen Koffer voller Wunderrezepte habe, die Bitcoin Suisse garantiert weiterbringen. Aber ich sehe es als meine Pflicht, zusammen mit dem Team unermüdlich an diesen Ideen zu arbeiten. Und nie aufzuhören, zuzuhören und zu lernen.

7. Lieblingsmusik zum Wachwerden? Zum Arbeiten? Zum Entspannen?

Ich mag Elektro-Musik. Deep House zum Wachwerden und Chilled Lounge zum Entspannen. Aber ich mag auch klassische Musik und gehe oft in die Zürcher Oper. Obwohl ich aus einer sehr musikalischen Familie stamme, bin ich selbst absolut untalentiert, wenn es um Musik geht. Das ganze Talent hat der liebe Gott meinem Bruder geschenkt… Der einzige Ort, an dem Musik für mich persönlich ein No-Go ist, ist aber bei der Arbeit. Hier möchte ich alle Antennen auf Empfang und Kommunikation ausgerichtet haben.

8. Bitcoin oder Ethereum (und warum)?

Für mich heisst es «und», nicht «oder». Als reines Anlageinstrument sind die beiden sicherlich gleichwertig. Bitcoin ist natürlich schon etwas weiter, was die breite Akzeptanz angeht. Als Plattform für Smart Contracts bietet Ethereum jedoch Weiterentwicklungsmöglichkeiten nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch für den Austausch von Eigentum, Aktien und vielem mehr. Das wisst ihr alle besser als ich. Längerfristig sehe ich jedoch leichte Vorteile für Ethereum, aber vielleicht werde ich nach meinem Start am 1. November eines Besseren belehrt.

9. Was bedeutet für Sie «Think Beyond»?

Ich versuche, nicht nur weiter zu denken, sondern vor allem weiter zu gehen. Im Idealfall kann ich diese beiden Konzepte kombinieren. Die beste Zeit zum Nachdenken ist, wenn ich laufen gehe. Ich bin ein leidenschaftlicher Läufer und habe 12 Marathons absolviert, darunter fünfmal den New York Marathon, den König der Stadtläufe. In der Vorbereitung jogge ich viel durch die Schweizer Wälder, auf Feldwegen und entlang der Seen. Das ist nicht nur gut für den Körper, sondern aktiviert auch ganz andere Teile des Gehirns. Da kommen mir immer die besten Ideen.

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