10th November, 2020 —

Decrypt_Bitcoin_Interoperability_between_Blockchains_Article_Image-1

Die Krypto-Märkte haben sich in den letzten Wochen von ihrer ruhigeren Seite gezeigt. Sowohl Bitcoin als auch Ether verzeichneten im historischen Vergleich kürzlich eine geringere realisierte Volatilität. Auf dem Höhepunkt der Hausse 2017 oder während des Markteinbruchs im März dieses Jahres wurden annualisiert Volatilitäten von 150-200% beobachtet (was 7-10% der täglichen Schwankungsbreite entspricht). Aktuelle Werte der 30-Tage-Volatilität von 39% für Bitcoin und 47% für Ether (annualisiert) zeigen tägliche Schwankungen von 2-2,5%.

Abbildung 1: Die 30-Tage-Volatilität von Bitcoin und Ether (annualisiert) liegt im historischen Vergleich derzeit auf niedrigem Stand.
Chart1-2
Quellen: coingecko.com, Bitcoin Suisse Research.

Phasen geringer Volatilität gehen Zeiträumen mit hoher Volatilität voraus, und umgekehrt (per definitionem). Abbildung 2 zeigt Phasen einer ähnlich niedrigen Volatilität seit 2017, beispielsweise im Mai 2017, im Oktober/November 2018 sowie im April 2019. Auf diese folgte stets eine umfassende Trendwende (Aufwärts- oder Abwärtstrend).

Abbildung 2: Auf Phasen niedriger Volatilität folgten historisch gesehen starke Marktschwankungen, wie im November 2018 und April 2019. Die aktuelle Volatilität wird durch die schwarz gestrichelte Linie angezeigt.
Chart2-1
Quellen: coingecko.com, Bitcoin Suisse Research.

In Zeiten, in denen sich der Bitcoin-Preis in einer engen Bandbreite festigt, richtet sich die Aufmerksamkeit der Händler oft auf Altcoins. Das trifft auch auf den aktuellen Zeitraum zu, in dem das Geschehen vor allem auf den DeFi-Bereich und die zugehörigen Token konzentriert ist.

Betrachtet man die Volatilität im Zeitraum seit Jahresbeginn, ähnelt die Entwicklung der beiden grössten Kryptowährungen Bitcoin und Ether den Trends an den Aktienmärkten, die sich beispielsweise am S&P 500 ablesen lassen. Aktuell sind die Kryptomärkte nur geringfügig volatiler als die Aktienmärkte. Gold als traditioneller sicherer Hafen war das ganze Jahr über nur geringfügig volatil (derzeit 16,7% annualisiert oder tägliche Schwankungen von etwa 1%).

Abbildung 3: Die aktuelle 30-Tage-Volatilität (annualisiert) von Bitcoin (39%) und Ether (47%) nähert sich dem Stand des S&P 500 (31%) an.
Chart3-1
Quellen: coingecko.com, Yahoo Finance, Bitcoin Suisse Research.

Die kurzfristigen, 30 Tage rollierenden Korrelationen zwischen den täglichen Renditen von Bitcoin, S&P 500 und Gold zogen nach dem Rekordhoch während des marktweiten Abverkaufs im März wieder an. Von noch grösserem Interesse dürfte jedoch die negative Korrelation mit dem Dollar-Index (DXY) sein, die sich seit Mai abzeichnet. Der Dollar-Index misst den Wert des US-Dollars im Vergleich zu anderen Währungen, insbesondere gegenüber dem Euro (Indexgewichtung: 57,6%), dem japanischen Yen (13,6%), dem britischen Pfund Sterling (11,9%), dem kanadischen Dollar (9,1%), der schwedischen Krone (4,2%) und dem Schweizer Franken (3,6%).

Abbildung 4: Die 30 Tage rollierende Korrelation zwischen den täglichen Renditen von Bitcoin und dem Dollar-Index (DXY) driftet seit Mai in den negativen Bereich ab.
Chart4-1
Quellen: coingecko.com, Yahoo Finance, Bitcoin Suisse Research.

Eine negative Korrelation bedeutet, dass der Bitcoin bei einer Dollar-Aufwertung (DXY steigt) an Wert verliert und an Wert zulegt, sobald der Dollar abwertet (gemessen in USD). Obwohl dies intuitiv Sinn macht, waren der Bitcoin und der Dollar-Index in der Vergangenheit weitgehend unkorreliert. Das Auftreten einer kurzfristigen Korrelation kann darauf hindeuten, dass die jüngsten Marktbewegungen von der Dollarstärke bzw. -schwäche angetrieben wurden. Dies könnte auch in Zukunft eine interessante Messgrösse sein, da die Zentralbanken weltweit weiterhin Geld in grossen Mengen drucken, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Lockdowns auszugleichen und den Kreditfluss innerhalb der Wirtschaft durch Liquiditätsspritzen zu stabilisieren.

 

Eine Absicherung gegen Inflation?
Bitcoin wurde im Anschluss an die grosse Finanzkrise 2008 geschaffen und sollte gemäss seinem Schöpfer Satoshi Nakamoto als “Versicherungspolice” gegen die Misswirtschaft von Zentralbanken im Umgang mit staatlich ausgegebenen Währungen fungieren. Der erste Block, der je geschürft wurde, bezieht sich auf eine Überschrift in der Times, die auf Deutsch so lautet: «Finanzminister kurz vor zweiter Rettungsaktion für Banken«.

Die jüngste Wirtschaftskrise und die damit verbundenen fiskal- und währungspolitischen Massnahmen sind thematisch ähnlich gelagert wie die Ereignisse im Jahr 2008, zum Beispiel hinsichtlich des Risikos von Inflation und Währungsabwertungen aufgrund der allseits auf Hochtouren laufenden Gelddruckmaschinen. Unter vielen Bitcoin-Befürwortern herrscht anlässlich der diesjährigen Prämien-Halbierung für geschürfte Blöcke daher grosse Aufregung. Der Eintrag in Block Nr. 629.999, erstellt von F2Pool, lautet übersetzt: «NYTimes 09. April 2020 Geldspritze übertrifft mit 2,3 Billionen USD bei weitem Fed-Rettungspaket von 2008«.

Der Beweis dafür, dass Bitcoin als wahrer Inflationsschutz dienen kann, ist jedoch noch nicht erbracht. Die meisten grossen Industrieländer verzeichneten in den letzten Jahren eine geringfügige bis gar keine Inflation. Anders ist die Lage jedoch für einige Schwellenländern und deren Währungen. Die Türkei beispielsweise registrierte 2019 eine Inflation von 15,2% und Argentinien sogar von über 53,6%.

Während Bitcoin in der Regel gegenüber dem USD oder dem EUR bewertet wird, lässt ein gelegentlicher Blick auf andere Währungen sehr unterschiedliche Muster erkennen. Wie aus Abbildung 5 hervorgeht, liegt der in türkischer Lira bewertete BTC nahe seinem Allzeithoch von 2017 und hat die Höchststände von 2017 im Vergleich zum argentinischen Peso längst überschritten.

Abbildung 5: BTC in türkischer Lira (TRY) bewertet liegt fast auf seinem Allzeithoch, während BTC gegenüber dem argentinischen Peso (ARS) seinen Höchststand 2017 um mehr als das Zweifache übertroffen hat.
Chart5-1
Quellen: coingecko.com, Yahoo Finance, Bitcoin Suisse Research.

Der USD als Wertanlage hätte in diesen Ländern wohl ähnliche Vorteile zum Schutz vor Inflation geboten, wobei in solchen Fällen jedoch die Zugänglichkeit ein entscheidender Faktor für die Wahl der Wertanlage ist. Kapitalverkehrskontrollen beschränken häufig die Bereitstellung von USD. Der Kauf von Bitcoin kann sich in solchen Fällen als einfacher erweisen. Die Handelsvolumen auf Localbitcoins (einer Peer-to-Peer-Handelsplattform) stiegen in Ländern mit hoher Inflation am Ende des letzten Jahres deutlich an. Sobald ein Käufer in die Kryptomärkte eintritt, vereinfacht sich der Zugang zum USD gegenüber den traditionellen Kapitalmärkten. Die Nachfrage nach auf USD lautenden Stablecoins ist in diesem Jahr rasant gestiegen, wobei die grösste Stablecoin Tether mit einer Marktkapitalisierung von 10 Mia. USD geschlossen hat. Dies kann zu einer (verdeckten) Dollarisierung solcher Länder führen.

Wenn jedoch Bewegung in die Märkte kommt, ist jede potenzielle Wertanlage besser als eine hyperinflationäre Währung. Die «Volatilität» von Bitcoin ist kaum wahrnehmbar, wenn er gegen den venezolanischen Bolivar bewertet wird. Ein BTC kostet zum jetzigen Zeitpunkt etwa 191’000’000’000’000 VEF (oder 1’910’000’000 VES) plus/minus ein paar tausend Milliarden. In solchen Extremfällen kann Bitcoin de facto den besten Inflationsschutz bieten.

Abbildung 6: BTC im Vergleich zum hyperinflationären venezolanischen Bolivar (VEF).
Chart6-1
Quellen: dolartoday.com, Bitcoin Suisse Research.
  1. Homepage
  2. Research
  3. Prüfung der Krypto-Volat...