14th August, 2019 —

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Staatlich ausgegebene Währungen und Staatsanleihen sind zwar der häufigste liquide Wertspeicher, ihre künftige Kaufkraft hängt aber stark von den Zentralbanken und der Geldpolitik ab. Anleger, die versuchen, tiefen und negativen Zinssätzen zu entkommen, haben sich in den letzten zehn Jahren hauptsächlich Aktien und Beteiligungspapieren zugewandt. In Zeiten wirtschaftlicher Angst, Unsicherheit und Zweifel könnten die geeigneten Instrumente zur Vermögenserhaltung Änderungen unterliegen. Risikoarme, alternative monetäre Vermögenswerte könnten in einer Phase des Abschwungs, in der Zentralbanken erneut intervenieren, zunehmend an Attraktivität gewinnen. Sowohl Bitcoin als auch Gold erfüllen dieses Kriterium. Gold ist seit dem 19. und 20. Jahrhundert ein integraler Bestandteil des Geldsystems und wird seit jeher grenzüberschreitend als wertvoll anerkannt. Bitcoin hat viele Eigenschaften, die denjenigen von Gold ähnlich sind, wie etwa Übertragbarkeit, Langlebigkeit und Knappheit und wird daher oft als «digitales Gold» bezeichnet. Wie bei Gold gibt es auch bei Bitcoin keine Zinsen – Bitcoin ist aber im Gegensatz zum derzeitigen schuldenbasierten Geldsystem von Natur aus deflationär.

«Sie verwenden [Bitcoin] eher als Alternative zu Gold. Es ist ein Wertaufbewahrungsmittel, ein spekulatives Wertaufbewahrungsmittel wie Gold.» – Jerome Powell

Letztendlich zielt Bitcoin als Wertanlage darauf ab, ein System zu schaffen, das nicht auf das Vertrauen in Gegenparteien wie Regierungen oder Banken angewiesen ist. In diesem Zusammenhang beschränkt sich das Risiko von Bitcoin auf einen kompletten Netzwerkausfall – gemäss dem Lindy-Effekt steigen jedoch die Überlebenschancen des Netzwerks mit jedem neuen Tag. Als älteste erfolgreiche Kryptowährung unter den mehr als 2’000 heute existierenden Kryptowährungen ist Bitcoin damit einzigartig und festigt seine führende Position als digitaler Wertspeicher.

Der Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung von Kryptowährungen hat sich in letzter Zeit erhöht und somit auch die Dominanz von Bitcoin weiter gefestigt. Von 50% im April ist der Marktanteil im August auf fast 70% gestiegen. Anders als 2017, als eine Flut (Bitcoin-Preis) alle Boote anhob (Altcoin-Preise), werden dieses Jahr ausgeprägtere Unterschiede zwischen den einzelnen Kryptowährungen zu beobachten sein. Insbesondere die kleineren Coins oder Token, Überbleibsel des ICO-Booms von 2017, leiden unter den aktuellen Marktbedingungen. Die Bewertungen waren übertrieben, und viele Projekte haben bisher nicht gehalten, was sie versprochen hatten.

Abbildung 1: Bitcoin-Dominanz im Jahresverlauf. Die Dominanz hat seit April deutlich zugenommen.
E4 Chart 3 BTC Dominance
Source: coinmarketcap.com, Bitcoin Suisse Research.

Möglicherweise tritt durch die zunehmende Dominanz von Bitcoin eine neue Gruppe von Kryptowährungsanlegern aus dem Jahr 2019 ins Rampenlicht. Anstatt zu versuchen, einen langfristigen Gewinner herauszupicken, suchen sie im Rahmen ihrer Strategie nach einer Anlageklasse, die vom Rest des Portfolios abgekoppelt ist, und setzen damit potenziell auf eine künftige Wertanlage. Die gesamte Korrelation von Bitcoin zu Aktien (mit S&P 500 als Näherungswert) und zu Gold ist mit Periodendurchschnitten von <0,1 gering. In den letzten Monaten ist die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold jedoch gestiegen und liegt für die letzten 90 Tage bei 0,21. Dies stützt die These, wonach Bitcoin in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen allmählich nicht mehr als risikoreiche spekulative Investition angesehen wird, sondern eher als «Safe Haven», ähnlich wie Gold.

Illustration 2: Korrelation zwischen Bitcoin (GBTC), Gold (GLD) und dem S&P 500 (SPY). Gleitende 90-Tage-Korrelationen basierend auf täglichen Renditen.

Quelle: coinmarketcap.com, Bitcoin Suisse Research.

Handelskrieg, Währungskrieg und ein globaler Einbruch der Anleiherenditen

Seit der Einführung von Bitcoin haben wir keine weltweite Rezession erlebt. Zum ersten Mal in der Geschichte kann jeder Smartphone-Besitzer auf digitale Assets zugreifen, die nicht an ein bestimmtes Land gebunden sind. Bitcoin kann sich für Anleger als grossartige Option erweisen, die – vor allem in Krisenzeiten – einen Teil ihres Portfolios vor unvorhersehbarer Manipulation der Finanzmärkte schützen wollen. Die Neutralität der Schweiz während des Ersten und Zweiten Weltkriegs hat enorm viel Kapital angezogen, das in diesen geographisch sicheren Hafen geflossen ist. Wie die Schweiz ist auch Bitcoin in Kriegszeiten neutral und kann sich für globale Finanzanlagen zu einem digitalen Zufluchtsort entwickeln. Ein wichtiger Eckstein der US-Regierung unter Präsident Trump besteht darin, die US-Wirtschaft wieder grossartig zu machen. Defizitfinanzierte Steuersenkungen trieben US-Aktien in die Höhe und verlängerten die gegenwärtige Hausse zu einer der längsten in der US-Geschichte. Da Trump in 16 Monaten zur Wiederwahl antritt, ist es ihm ein grosses Anliegen, den Aktienmarkt bis November 2020 in Schwung zu halten. Er drängt die Federal Reserve zur Senkung der Zinssätze, was einer der Gründe dafür sein kann, dass die Fed die US-Zinssätze vergangene Woche von 2,5% auf 2,25% herabgesetzt hat.

Trump kündigte kürzlich auf Twitter an, er werde ab dem 1. September auf alle chinesischen Einfuhren in die USA einen zusätzlichen Zoll von 10% verhängen. Die Trump-Regierung stellt zudem Handelsabkommen in Frage, die zwischen den USA und Mexiko bzw. der Europäischen Union bestehen. Mit dem Auslösen eines Handelskriegs wurde unter Umständen ebenfalls die Absicht verfolgt, die Fed zu aggressiveren Zinssenkungen zu bewegen. Wie bereits in der ersten Episode des Bitcoin Suisse Decrypts erwähnt, treiben Zinssenkungen die Assetpreise in die Höhe. Boomt der Aktienmarkt, geben sich viele fälschlicherweise einer Illusion von Reichtum hin. Sofern Präsident Trump das von ihm entfachte Feuer durch eine Einigung mit China löschen kann und die Wirtschaft durch Injektionen von billigem Geld weiter brummt, werden viele Wähler sich erneut für Trump entscheiden. Dies ist jedoch nur ein mögliches Szenario. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Situation, die ein Anlageberater von JP Morgan vergangene Woche erläuterte: «Der US-Dollar droht seinen Status als dominierende Weltwährung zu verlieren.» China reagierte in dieser Woche auf Trump mit einer Aussetzung der Käufe von US-Agrarerzeugnissen. In der Folge sank der chinesische Yuan gegenüber dem Dollar auf seinen niedrigsten Stand in den letzten zehn Jahren. Dadurch verbilligen sich chinesische Produkte, und China kann somit seine Abhängigkeit vom US-Handel verringern und neue Handelspartner gewinnen. Ausserdem hat China seine Goldreserven nunmehr seit acht Monaten in Folge erhöht, was als Abwendung vom US-Dollar gewertet werden kann. All dies führt dazu, dass die Nachfrage nach dem Greenback abnimmt.

«Mit einem Dollar über 7,0 Yuan, einem Währungskrieg, der Instabilität in Hongkong und der beginnenden Kapitalflucht könnte die BTC-Rallye nun langsam losgehen.» – Michael Novogratz

Die derzeitige Schwächephase der globalen Währungen könnte Auslöser eines grösseren Währungskriegs sein. Kein Land möchte für ein anderes die Kastanien aus dem Feuer holen. Die grössten Wirtschaftsmächte versuchen, die negativen Auswirkungen der Inflation ihrer Landeswährung auf ihre Handelspartner abzuschieben. Als Reaktion darauf müssen die Handelspartner entweder ihre Währung abwerten, was die Ersparnisse der Haushalte in Millionenhöhe zunichte macht, oder sie müssen eine Aufwertung ihrer Währung zulassen, was Exporteure aus dem Geschäft drängen wird. Die aufkommende Furcht vor einem Währungs- und Handelskrieg und wirtschaftlicher Instabilität hat in den letzten Wochen einen weiteren spektakulären Einbruch der globalen Anleiherenditen ausgelöst.

Gold und Bitcoin erleben als Reaktion auf diesen Wahnsinn phänomenale Rallyes. Gold hat seinen sechsjährigen Höchststand von 1’500 USD überschritten und Bitcoin liegt mittlerweile bei über 12’000 USD. In dem neuen grossen US-Sender CNBC wurde diese Woche in zwei Kommentaren die Behauptung aufgestellt, dass Kapital in Bitcoin ströme, da wir in eine weltweite Rezession eintreten. Die Warnsignale, die auf eine Rezession hindeuten, häufen sich: Die US-Notenbank senkt ihre Zinssätze, die Renditekurven kehren sich um und die Kreditausfälle nehmen prozentual zu. Zwei der drei Kriterien sind also bereits erfüllt.

Abbildung 3: Anleiherenditen sinken während Rezessionen.
E4 Chart 4 Trends
Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis, Incrementum AG.
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