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Blockchain-Technologie.

Das weltweit anerkannte Research-Unternehmen Gartner geht davon aus, dass Blockchain bis 2030 neue Geschäftsmöglichkeiten in Höhe von 3,1 Billionen US-Dollar eröffnen wird.

Goldman Sachs nennt Blockchain die «neue Technologie des Vertrauens».

Warum wird so viel über Blockchain gesprochen? Und was ist so neu daran und so anders?
Nachfolgend lesen Sie einen kurzen Primer über eine der vielversprechendsten Technologien unserer Zeit – und die Grundlage der Kryptoasset-Revolution.

 

Die Geschichte der Blockchain-Technologie

Wie hat alles angefangen?

Die Geschichte von Blockchain wird allgemein auf die Einführung von Bitcoin und das Bitcoin-Whitepaper 2008 datiert. Zahlreiche Elemente der Blockchain-Technologie basieren jedoch nach wie vor auf Satoshi Nakamotos Skizze eines elektronischen Bargeldsystems auf Peer-to-Peer-Basis.

 

Frühe Pioniere

Blockchain beruht auf einer Kombination verschiedener technologischer Durchbrüche, die bereits mehrere Jahrzehnte alt sind. Bitcoin war die erste echte Anwendung einer Blockchain-Technologie in Form eines elektronischen Bargeldsystems auf Peer-to-Peer-Basis.

1991 brachten zwei Wissenschaftler namens Stuart Haber und W. Scott Stornetta eine Lösung für die Zeitstempelung digitaler Dokumente heraus. Die Idee bestand darin, eine Manipulation oder ein Zurückdatieren unmöglich zu machen und sie zu einem fortlaufenden Datensatz zu verketten. Der Vorschlag von Haber und Stornetta wurde später durch die Einführung von Merkle-Bäumen verbessert.

Doch Zeitstempel allein reichten nicht aus, um den Weg für die Blockchain-Technologie zu bereiten. Dieses erste Element blieb sogar zunächst auf der Strecke, da das Patent für Haber und Stornettas Erfindung auslief.

Ein zweiter wichtiger, fehlender Aspekt war die Sicherung des Netzwerks. Das heutige Bitcoin-Netzwerk setzt dafür auf die Methode Proof-of-Work. Die erste Version davon wurde von Hal Finney eingeführt und wurde als «Reusable Proof-of-Work» bezeichnet. Ziel war es, zu verhindern, dass digitale Token (das «Geld») zweimal ausgegeben werden, was klassisch als Doppelausgabenproblem bekannt ist.

Obwohl Satoshi Nakamotos Bitcoin schliesslich die Innovation war, die Blockchain für die Öffentlichkeit verfügbar machen würde, sind diese frühen Pioniere nicht in Vergessenheit geraten. In der ersten Bitcoin-Transaktion (am 12. Januar 2009) übertrug Satoshi Nakamoto Hal Finney 10 Bitcoins.

 

Warum ist Blockchain einzigartig?

Warum gibt es einen derartigen Rummel um Blockchain? Ist Blockchain wirklich so wichtig?

Zum einen hat die Technologie die Schaffung von elektronischem Geld für Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglicht: Die Intermediäre werden durch eine Trust Layer ersetzt, die nicht mehr von einer zentralen Einrichtung kontrolliert wird. Wer einem Freund Geld senden möchte, braucht also keine Bank mehr, die den Kontostand nachführt und die Transaktion überprüft. Jeder kann direkt Geld an andere senden: Peer-to-Peer.

Mit anderen Worten: Sie befähigt den Einzelnen in einer Weise, wie es Technologie noch nie zuvor getan hat.

Neben den rein finanziellen Anwendungen könnte Blockchain jedoch auch die Art der Geschäftsabwicklung in vielen Branchen verändern.

 

Ein kurzes Beispiel

Nehmen Sie Google Docs:

Wenn mehrere Personen gemeinsam an einem Text (oder im Fall von Google Sheets an einer Tabelle) arbeiten, können sie einfach Änderungen und Kommentare hinzufügen, die sofort in Echtzeit aktualisiert werden, sodass alle Teilnehmer der Diskussion oder des «Netzwerks» auf dem neusten Stand sind.

Die Arbeitsweise der Mitarbeiter hat sich dadurch gegenüber früher enorm verändert.

Einerseits wird die Zusammenarbeit beschleunigt und erspart den Kollegen viel Zeit und Mühe beim Vor- und Zurücksenden von Word-Dateien. Andererseits gibt es weniger Missverständnisse und das Risiko sinkt, dass falsch benannte Versionen bei Entscheidungsträgern landen, die nicht über alle Informationen verfügen.

Google Docs kann nunmehr als eine Art Buchhaltung oder als Änderungsprotokoll gesehen werden, das (einigermassen) verteilt ist und zugleich immer eine klare Version der «Wahrheit» führt. Tatsächlich gibt es natürlich einen zentralen Server von Google, der alle Daten speichert und alle Updates nachverfolgt.

Mit Blockchain wird nun ein ähnliches Konzept für den Echtzeitbetrieb eingeführt – das jedoch noch einen Schritt weitergeht.

In einer Blockchain gibt es zusätzlich noch kryptographisch gesicherte Identitäten (über öffentlich-private Schlüsselpaare) und die Immutabilität der miteinander verknüpften Transaktionsgruppen (Blöcke), die durch ein leistungsfähiges Computernetzwerk gesichert und mit einem Zeitstempel versehen sind, sodass schliesslich eine vertrauenswürdige Aufzeichnung von Interaktionen entsteht.

 

Ledger und anderes

Im Fall von Bitcoin dient die Blockchain dazu, dass man wie in der Buchhaltung ein unveränderliches Hauptbuch (Ledger) aller monetären Transaktionen hat und dieses kryptografisch sichert. Bei Transaktionen mit hohem Wert ist diese Unveränderlichkeit (Immutabilität) von grösster Bedeutung.

Aber viele Geschäftsprozesse beinhalten neben Transaktionen von Geld (wie wir es heute kennen) auch Transaktionen von Dingen. Dies können kleine Informationsschnipsel, Dokumente, Zugriffsrechte, Verträge, Aufzeichnungen über versendete Waren und vieles mehr sein.

Derzeit werden natürlich viele dieser Prozesse noch manuell und sogar papierbasiert abgewickelt. Aber selbst wenn sie digitalisiert sind, laufen sie heute über zentrale Systeme, die ineffizient, fehleranfällig oder hackeranfällig sein können und letztlich von einer einzigen Instanz kontrolliert werden, die von dieser Kontrolle finanziell profitiert.

Bei Blockchain ist das anders. Ein verteiltes Netzwerk erlaubt eine demokratischere Beteiligung, bietet ein System für Interaktionen mit sicherer und verifizierter Identität der Netzwerkteilnehmer und ermöglicht die Erstellung digitaler Repräsentationen physischer Objekte (Tokenisierung) zur Prozessoptimierung.

Dank der Implementierung von Ethereum Smart Contracts, in denen externe Datenfeeds (Oracles) die Codeausführung auslösen, sind noch komplexere Operationen möglich, die völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen.
All dies öffnet die Tür zu einer Vielzahl von Anwendungen mit bahnbrechendem Potenzial.

 

Wie Blockchain die Welt verändern kann

Manche mögen sagen, Bitcoin sei an Revolution schon genug gewesen.

Doch wenn wir das Potenzial von Blockchain genauer betrachten, tun sich noch viel weitere Horizonte auf.

Jede neue Blockchain-Implementierung eröffnet neue Möglichkeiten. Mit Ethereum sind bereits jetzt Smart-Contract-Anwendungen Realität. Wetterdaten lösen automatische Versicherungsauszahlungen für Waren aus, deren Lieferung durch einen Sturm verzögert wurde. Einzelpersonen können Gemeinschaftsversicherungen für Haushaltswaren beitreten, die auf Preiskurven und verifizierten Schadensmeldungen beruhen.

Einige Innovationen, die auf Blockchain basieren, mögen klein sein und nur kleine Veränderungen beinhalten. Für Grossbanken wie Santander kann das aber bereits attraktiv sein. Die spanische Bank setzte vor kurzem Ethereum ein, um Anleihen in Höhe von 20 Mio. USD auszugeben.

Andere zukunftsweisende Schritte versprechen einen kompletten Paradigmenwechsel (oder sie drohen damit, je nach Sichtweise). Dezentrale Finanzanwendungen gewinnen bereits an Fahrt, sodass nun Anleihen und Darlehen, der Derivatehandel und Kollektivversicherungen sowie vieles mehr möglich wird.

Diese neuen und spannenden Geschäftsmodelle profitieren nicht nur vom verteilten Netzwerk, von der Immutabilität und von der Sicherheit der Blockchain-Technologie, sondern auch von den integrierten Anreizsystemen der öffentlichen Blockchains.

Was bedeutet das? Nehmen wir noch einmal das Beispiel von Google Docs.

Was wäre, wenn die Teilnehmer eines Teams, anstatt einfach gemeinsam Text in einem Dokument hinzuzufügen und zu verändern, für jeden korrigierten Rechtschreibfehler mit einer Mikroprämie belohnt würden?

Und der Autor mit den meisten Beiträgen erhielte eine grössere Prämie, die er dann aber mit den Kollegen teilen könnte, die seine Zitate überprüft haben. Und schliesslich erhielte das gesamte Team eine gemeinsame «Zinsprämie» auf einen Betrag, der zuvor einem Treuhänder überwiesen wurde, sodass die Mitglieder einen Anreiz hätten, die Arbeit innerhalb einer festgelegten Frist und mit einem vorher festgelegten Mass an Genauigkeit abzuschliessen.

Das Beispiel mag sehr konstruiert scheinen – es zeigt aber, welche neuen Möglichkeiten andersartige Arbeits- und Geschäftsmodelle eröffnen.

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