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Da Daten immer stärker kommerziell genutzt werden, arbeiten Unternehmen nun daran, diese geheim zu halten, um sie sodann gewinnbringend oder im Sinne ihrer Geschäftsziele zu veräussern. Das Ocean-Protokoll zielt darauf ab, für diese Daten eine neue Nutzung zu erschliessen, insbesondere für das Web 3.0. So soll das Ocean-Protokoll die Fähigkeit der Dateneigentümer stärken, ihre Daten und deren Verwendung zu kontrollieren, indem zentrale Server durch eine dezentrale Blockchain ersetzt werden.

 

Anfänge

Das Ocean-Protokoll wurde 2017 durch den BigChainDB-Gründer Bruce Pon und den KI- und Design-Experten Trent McConaghy geschaffen. Ihr Ziel war es, grossen Unternehmen wie Microsoft, Google und Apple die Kontrolle über Big Data wieder zu entziehen und stattdessen den Austausch dieser Daten auf einer Börse zu ermöglichen und zu monetarisieren. Die Eigentümer sollen die Kontrolle über ihre Daten nicht mehr aufgeben müssen oder ihre Sicherheit gefährden, nur damit Geld mit ihnen verdient wird. Pon und McConaghy haben ein vielseitiges Team zusammengestellt, das über grosse Erfahrung mit KI, Blockchain und Big Data sowie mit Richtlinien und Geschäftsabläufen zur Umsetzung des Ocean-Protokolls verfügt.

Das Ocean-Protokoll brachte im November 2017 den Ocean-Token auf den Markt. Gleichzeitig wurde das Marketplace Framework lanciert, in dem die Marktattribute und Marktkomponenten beschrieben sind, die für den dezentralen Datenaustausch mit dem Ocean-Protokoll erforderlich sind. Vor der Lancierung wurde der Ocean-Token bis 2018 an 3’500 Contributors in 100 Ländern verteilt. Ocean startete ausserdem ein Beraterprogramm mit 40 Beratern in 20 Städten und kündigte eine Partnerschaft mit IBM Watson AI XPRIZE an. Im März 2020 startete das Ocean-Protokoll einen dezentralen Marktplatz, der auf Datenanbieter zugeschnitten werden kann. In der letzten Finanzierungsrunde im Mai 2019 hatte das Ocean-Protokoll mehr als 28 Millionen USD gesammelt.

Das Ocean-Protokoll ermöglicht es den Nutzern, einen dezentralen Marktplatz zu schaffen, der aus Datenbeständen und Datendiensten besteht, die von Nutzern getauscht werden können. Der Marktplatz verbindet Datenanbieter und Verbraucher und bietet eine Verknüpfung mit den Daten selbst. Er führt eine lückenlose Aufzeichnung darüber, wer Eigentümer der Daten ist und wer sie gekauft und weitergegeben hat.

Auf einem Marktplatz ausgetauschte Daten werden nicht im Netzwerk des Ocean-Protokolls selbst gespeichert: Die Kunden suchen auf verschiedenen Marktplätzen nach Datensätzen und kaufen dann eine verschlüsselte Referenz, die erst nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen (z.B. Bezahlung) entsperrt werden kann. Dementsprechend behalten die Dateneigentümer die volle Kontrolle über ihre Daten, unabhängig davon, was damit geschieht oder wer sie kauft.

Der Ocean-Token ist das Tauschmittel im Ocean-Protokoll-Netzwerk: Jedes Mal, wenn ein Anbieter Daten verkauft, erhält er Ocean-Token als Belohnung für die Dienste, die er für die Blockchain erbracht hat. Derzeit sind über 347 Millionen Ocean-Token in Umlauf.

 

Einsatzmöglichkeiten

Das Ocean-Protokoll bietet Zugang zu einem breiten Datenumfeld mit Open-Source-Software wie dem Blockchain-Client Keeper, Parity SecretStore und dem Metadatenmanagement Aquarius, das Entwicklern zur Verfügung steht, die nach den erforderlichen Komponenten für die Entwicklung und Implementierung eines eigenen Ocean-Netzwerks suchen.

Es gibt zwei Hauptprodukte des Ocean-Protokolls, die entwickelt wurden: die Plattform Data Ecosystem und der dezentrale Data Marketplace. Die Plattform Data Ecosystem erleichtert die Kontrolle des Datenzugriffs, sodass Eigentümer ihre Daten hochladen und speichern können, während sie gleichzeitig die volle Kontrolle behalten, wenn sie die Daten für Käufer monetarisieren. Die Plattform umfasst alle dafür notwendigen Tools wie die Ocean-Blockchain, Smart Contracts und Software Development Kits.

Der dezentrale Datenmarktplatz erleichtert den Verkauf und Kauf von Daten, indem Verkäufer und Käufer auf der ganzen Welt miteinander verbunden werden. Er besteht aus dem Enterprise Marketplace, der sich an Datenanbieter auf Unternehmensebene richtet (die beispielsweise in den Bereichen Gesundheit, Mobilität oder Logistik tätig sind), und dem Community Marketplace, der von der breiteren Gemeinschaft für den Kauf und Verkauf von Datensätzen genutzt wird.

Das Ocean-Protokoll wurde bereits mehrfach erfolgreich umgesetzt. 2019 integrierte sgCarMart das Ocean-Protokoll in seinen Online-Gebrauchtwagenmarkt, sodass Käufer auf genaue und verifizierbare Daten über ihre Gebrauchtwagenkäufe sowie auf die Zahl der Vorbesitzer oder auf Details zu anhaltenden mechanischen Problemen zugreifen können.

Für das Ocean-Protokoll gibt es in der Automobilindustrie aber noch weitere Anwendungsmöglichkeiten. 2020 führte das Ocean-Protokoll mit Daimler eine Konzeptprüfung durch, die zeigte, wie das Netzwerk für den sicheren Austausch interner Vertriebs- und Finanzdaten zwischen internationalen Produktions-Hubs und externen Beschaffungspartnern in der Lieferkette genutzt werden kann. Ebenso hat das Ocean-Netzwerk vielversprechende Anwendungen in der Branche für selbstfahrende Autos ermöglicht. Die von der Ocean-Blockchain geschaffene sichere Datenumgebung ermöglicht Herstellern den Austausch und die Beschaffung von Daten, die sie benötigen, um die Entwicklung der KI an Bord selbstfahrender Autos zu beschleunigen, ohne dass die Hersteller Angst haben müssen, die Kontrolle über ihr geistiges Eigentum zu verlieren.

Das Ocean-Protokoll wird auch im Gesundheitswesen eingesetzt, wo Daten über Krankheiten, die normalerweise offline aufgezeichnet werden, diskret und sicher weltweit ausgetauscht und analysiert werden können. Zuletzt wurde das Ocean-Netzwerk von einer KI-Lösung namens James genutzt, um globalen Nutzern im Gesundheitswesen wichtige Daten über Parkinson zur Verfügung zu stellen, ihnen so eine bessere Entscheidungsfindung zu ermöglichen und datensatzübergreifende Trends zu bestimmen.

 

Ausblick

Das Ocean-Protokoll arbeitet weiterhin an der Verbesserung von KI-Software und KI-Diensten und strebt 2020 als ergänzendes Ökosystem zum Enterprise Marketplace die Entwicklung eines Community Marketplace an, auf dem Datensätze frei gekauft und verkauft werden können. Im Rahmen dieser Anstrengungen möchte das Ocean-Protokoll eine eigenständige Web-App entwickeln, die Datentoken einfacher strukturieren und Anreize und Staking in den Data Marketplace integrieren.

Das Ocean-Protokoll versucht auch, eine gemeinschaftliche Finanzierung für die Softwareentwicklung in Kernanwendungen und Infrastrukturen, die Arbeit am Data Ecosystem und die Einführung von Anreizen wie etwa Finanzhilfen zu initiieren, um die Nutzer zu ermutigen, Daten an das Netzwerk zu übermitteln.

Zum Finanzierungsplan für das Ocean-Protokoll gehört auch der Ecosystem-Entwicklungsfonds, der Entwicklern beim Bau von Projekten mit Ocean helfen soll. Dem Fonds wurden 20 Millionen Ocean-Token zugewiesen, die für Entwickler, Start-Ups und Dienstleister bestimmt sind, die Projekte im Netzwerk aufbauen. Der Fonds besteht aus dem Shipyard-Inkubations-Programm, Ocean Bounties (die auf Gitcoin verwaltet werden) und Hacker-Wettbewerben wie der Data Economy Challenge.

Schliesslich hat das Ocean-Protokoll das Ziel, die Art und Weise, wie Daten kommerziell genutzt werden, neu zu gestalten, indem ein Umfeld geschaffen wird, das auf Innovation und individueller Diskretion beruht, um gerechtere Ergebnisse zu erzielen. Da das Ocean-Netzwerk wächst und immer mehr Nutzer anzieht, hofft Ocean, eine neue Art von Datenwirtschaft aufzubauen, die alle Arten von Datenanbietern und Verbrauchern umfasst, vom individuellen Entwickler bis hin zu multinationalen Unternehmen.

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