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Seit dem Auftreten von Chainlink in der Welt der Kryptowährungen hat die neue Plattform auf den Kryptomärkten Wellen geschlagen und das Interesse von DeFi-Unternehmen, Krypto-Anlegern, Blockchains sowie grossen Technologie- und Finanzakteuren wie Google und SWIFT geweckt. Mit der Technologie von Chainlink soll eine der grössten Herausforderungen bei der praktischen Implementierung von Smart Contracts gelöst werden: Blockchains sollen durch sogenannte Oracles mit Daten aus der «realen Welt» wie Marktkursen oder Lieferbestätigungen verbunden werden (Blockchain-Konnektivität). Falls Chainlink dies gelingt, könnte die Lösung dem Markt für dezentrale Apps (dApps) grossen Auftrieb verleihen.

 

Die Geschichte des Projekts

Die Geschichte von Chainlink begann mit einem White Paper, das 2017 von Steve Ellis, Ari Juels und Sergey Nazarov veröffentlicht wurde. Die Autoren skizzierten darin ihre Vision für ein dezentrales Oracle-Netzwerk. Dieses Netzwerk sollte eine der grössten Herausforderungen für die praktische Umsetzung von Smart Contracts lösen, nämlich die Unfähigkeit von Blockchains, zuverlässige Informationen aus der realen Welt abzurufen.

Um die Bedeutung dieser Blockchain-Konnektivität zu verdeutlichen, kann man sich einen digitalen Vermögenswert vorstellen, der an den Preis eines realen Vermögenswerts wie etwa Gold gebunden ist. Die Blockchain-Technologie gewährleistet die Zuverlässigkeit und Sicherheit des digitalen Vertrags. Um aber für einen Verbraucher von Nutzen zu sein, benötigt die Technologie zuverlässige externe Inputs – in diesem Fall den Preis des Basiswerts, den Goldpreis.

Ein Smart Contract für Anleihe- und Darlehensgeschäfte ist gleichermassen auf die Eingabe relevanter Kurse angewiesen, damit der Wert der Sicherheiten bestimmt werden kann. Wenn ein Nutzer 100 DAI (ca. 100 USD) mit 1 ETH an Sicherheiten ausleiht (derzeit ca. 400 USD), muss das Protokoll den Wert der Sicherheiten kontinuierlich nachverfolgen können. Auf den meisten Leih- und Verleihplattformen würden die Sicherheiten zur Rückzahlung des DAI-Darlehens liquidiert, sobald der ETH-Preis unter 150 USD fällt. Ein zuverlässiges Oracle für diesen Preis ist für die Stabilität des Systems daher von grösster Bedeutung. Das Ziel von Chainlink besteht darin, diesen Input zu liefern und die Stabilität des Systems sicherzustellen.

Chainlink ist architektonisch mit On-Chain- und Off-Chain-Modulen ausgestattet, die miteinander verbunden und erweiterbar sind und sich sich flexibel an die technologische Entwicklung anpassen. Die Dezentralisierung wird erreicht, indem Daten aus mehreren Quellen abgerufen und auf mehreren Nodes (Knoten) verarbeitet werden. Die Oracles werden von einem Netzwerk von Knoten verwaltet, deren Leistung und Reputation ständig kontrolliert werden. Die Chainlink-Oracles sind so konzipiert, dass sie eine Blockchain mit externen Datenfeeds oder APIs wie etwa Finanzmarktdaten oder Wetterberichten verbinden.

Die Chainlink-Technologie wird vom Fintech-Unternehmen SmartContract Chainlink Ltd. verwaltet, dem Sergey Nazarov als CEO vorsteht. Das Forschungsteam firmiert unter Chainlink Labs. Seit der Veröffentlichung des White Paper hat das Projekt einige wichtige Meilensteine überwunden. Im Jahr 2017 erreichte Chainlink beim ICO das gesetzte Hardcap von 32 Mio. USD. 2019 wurde das Chainlink Mainnnet auf Ethereum gestartet. Seitdem wurde die Technologie weiterentwickelt und funktioniert nun auf verschiedenen Blockchains: Laut derWebsite des Unternehmens ist «Chainlink Blockchain-agnostisch«. Ausserdem wurde eine Reihe erfolgreicher Partnerschaften aufgebaut, unter anderem mit Google, Tezos und Oasis Networks.

 

Anwendungsmöglichkeiten

Chainlink-Oracles können von Smart Contracts zu verschiedenen Zwecken – wie digitale Wertpapiere über Lieferketten bis hin zum Asset Management – eingesetzt werden. Ihr primärer Verwendungszweck ist jedoch die Bereitstellung zuverlässiger Daten aus On-Chain- und Off-Chain-Quellen für den schnell wachsenden dApp-Markt. Zu diesen Daten gehören unter anderem Marktpreis-Feeds, Finanzdaten und Daten von IoT-Geräten. Mit Chainlink soll auch die Verbindung zwischen Blockchains und Zahlungssystemen wie SWIFT oder PayPal vereinfacht werden.

Aktuell werden über die fortschrittlichste Chainlink-Funktion aggregierte Preisdaten für Krypto- und Fiatwährungen bereitgestellt. Zur Ermittlung von Preisdaten greift Chainlink auf externe Datenanbieter wie zentrale oder dezentrale Börsen zurück. Danach aggregieren Chainlink-Nodes die Daten von Drittanbietern, um ein manipulationssicheres Preisupdate zu erstellen. Letztlich können diese Preisdaten von jedem Smart Contract genutzt werden, der über einen etablierten Zugang verfügt. Auf diese Weise kann Chainlink seine Serviceleistungen sowohl Datenanbietern (die ihre Daten verkaufen) als auch Datennutzern wie DeFi-Unternehmen (zur Verwendung von Daten in Smart Contracts) anbieten. Synthetix setzt Chainlink beispielsweise ein, um Preise auf seiner Derivateplattform festzulegen, und AAVE (Plattform für Anleihe- und Darlehensgeschäfte), um den Gesamtwert der Sicherheiten zu garantieren.

Chainlink liefert aber nicht nur Daten an den sich schnell entwickelnden DeFi-Markt, sondern kooperiert auch mit einigen grossen Technologie- und Finanzakteuren, die ihre Services auch auf Kryptomärkten anbieten möchten. Chainlink arbeitet zum Beispiel mit SWIFT an einem Grossprojekt, das den Aufbau einer Infrastruktur zur Anbindung bestehender Bankensysteme und Smart Contracts vorsieht. 2019 kündigte Google die Verwendung von Chainlink-Knoten in Cloud-/Blockchain-Anwendungen an, die mit Ethereum und Google Cloud entwickelt werden.

Der native Token von Chainlink – LINK – wird seit 2017 gehandelt und verzeichnete im zweiten und dritten Quartal 2020 deutliches Wachstum. Zum aktuellen Zeitpunkt liegt die Kryptowährung  nach Marktkapitalisierung (mit einer Kapitalisierung von mehr als 5 Mia. USD) auf dem fünften Platz des Rankings.

Ausblick

Angesichts des starken Wachstumskurses ist DeFi, wie Sergey Nazarov erklärt, derzeit definitiv eine der obersten Prioritäten für Chainlink. Viele DeFi-Unternehmen verwenden bereits Chainlink, andere sind zur Einführung bereit. Chainlink hat seinen Vorteil als First Mover zwar gut genutzt. Neue Projekte scheinen seine Marktposition nun jedoch zu gefährden. Um den möglichen Wettbewerb zu kontrollieren, sucht Chainlink nach breitenwirksameren Branchen als DeFi, die im Vergleich zu traditionellen Finanzmärkten noch vergleichsweise klein sind. Zwei Märkte mit grossem Potenzial sind Gaming und Versicherungen, wo Grossunternehmen in die Blockchain-Welt starten.

Chainlink will aber nicht nur seine Funktionalitäten differenzieren, sondern auch auf den geografischen Märkten expandieren. 2019 hat das Unternehmen seine Präsenz in Asien – einem der grössten Krypto-Hotspots – durch die Partnerschaft mit Datenanbietern wie Binance, Tokenview und CoinGecko und durch die Integration mehrerer asiatischer Node-Betreiber weiter ausgebaut.

Kürzlich fanden eine Reihe von Events statt, die als gute Zeichen für die Zukunft von Chainlink gewertet werden. Im Februar 2020 integrierte Polkadot Chainlink in sein «Substrate»-Netzwerk, und im April 2020 hat Tezos Chainlink in seine Protokolle eingebunden, um Tezos-Entwicklern Preisdaten zu liefern. Im August 2020 wurde Chainlink in eine die Bitcoin-Sidechain RSK integriert.

Darüber hinaus schätzt Sergey Nazarov die jüngste Chainlink-Einführung von DECO durch die Cornell University als wichtigen Schritt hin zu einem breiteren Einsatz von Blockchain-Technologien ein. DECO ist ein dezentrales Oracle für TLS (Transport Layer Security), das für die Sicherheit digitaler Transaktionen eingesetzt wird. Die Integration einer renommierten getesteten Technologie zur Gewährleistung von Sicherheit und Datenschutz hat das Potenzial, viele Unternehmen ausserhalb von DeFi- und Krypto-Fans davon zu überzeugen, die Implementierung dezentraler Technologien voranzutreiben.

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